Braunhaarige Frau in pinkem Kleid mit Kaffeetasse vor weißer Wand

Weekly 06- Über Social Media und das Gefühl, nie genug zu tun

Weekly 06- Über Social Media und das Gefühl, nie genug zu tun

 

Das Gefühl, nie genug zu tun

Diese Woche schreibe ich über ein Gefühl, das mich- und wahrscheinlich viele Leute in meiner Generation- immer mal wieder begleitet:

 

Das Gefühl, nie genug zu tun.

 

Wenn ich mit Freunden darüber spreche (in dieser Woche war eine Freundin zu Besuch und wir haben darüber gesprochen, deswegen ist es bei mir wahrscheinlich gerade wieder sehr aktuell), fühlen wir das alle immer wieder mal.

Mal ist es mehr, mal weniger stark. Egal wie viel man macht, egal, was man macht, es reicht nie aus, dass sich ein Zufriedenheitsgefühl einstellt. „Es könnte halt immer noch mehr sein“ oder es bleibt zumindest ein Restgefühl von „ich könnte ja noch etwas tun“.

Dabei sind die meisten, die ich kenne, gar nicht unzufrieden mit ihrer eigenen Situation. Schließlich sind wir alle rundum abgesichert, können unser Leben und unseren Beruf selbst bestimmen und -falls das nicht zutrifft- haben wir alle zumindest die Möglichkeit, etwas in unserem Leben zu verändern (das haben viele Menschen auf der Welt ja nicht ansatzweise).

Vielleicht gab es das Gefühl auch schon immer. Vielleicht werden wir alle auch einfach häufiger damit konfrontiert, weil die Vergleichbarkeit untereinander viel höher ist.

 

Social Media

Frau surft im Internet und nutzt Social Media
Was macht Social Media mit uns?

Und natürlich liegt das an den Social Media Kanälen, die wir alle mal mehr oder mal weniger stark nutzen.

Ich muss dazu sagen, dass ich Social Media toll finde. Ich finde es toll, wie sich Leute vernetzen können. Man findet Menschen mit den gleichen Interessen, die einem sonst nie begegnet wären. Dinge können durch Social Media auch im realen Leben optimiert werden (z.B. Mitfahrdienste, Dinge-teilen-Communitys, etc.). Oder es entstehen ganz neue Designs, Programme, Bildsprachen. Und es gibt so tolle Inspirationen, Ideen und Lösungen, die man in den Social Media Kanälen wie Instagram oder Pinterest und auf vielen Blogs findet.

Ich kann Leute nicht verstehen, die Social Media Kanäle nicht gut finden und meinen „es ist ja alles nicht real“.

 

Die Vergleichbarkeit

Allerdings finde ich schon, dass die Vergleichbarkeit miteinander und untereinander durch die Nutzung von Social Media extrem erhöht ist.

Täglich schauen wir uns neue Bilder, Erlebnisse und Projekte von unseren Freunden und den Menschen, die wir bewundern und folgen an.

 

Braunhaarige Frau in pinkem Kleid und rostrotem Mantel weißer WandDer Automatismus

Und vergleichen uns. Das geschieht ganz automatisch. Wir sehen (mehrmals) täglich, was andere leisten, schaffen und irgendwie bleibt zumindest ein Nachgeschmack von „und was habe ich überhaupt getan?“. Und selbst wenn man schon etwas gemacht hat, sieht man die ganzen anderen Dinge, die man hätte noch tun können oder die man eben nicht gemacht hat.

Für mich als Fotografin gilt das besonders für die fotografischen Projekte. Ich sehe ständig bei anderen Fotograf/inen, was sie so tun, welche Shootings sie machen und freien Projekte sie umsetzen. Ich finde es spannend, interessant und inspirierend und natürlich bewundere ich ihre Arbeit. Und ein bisschen bleibt aber auch jedes Mal das Gefühl „ich hätte ja auch noch ein Projekt umsetzen können“ oder wenn ich mir nur ein wenig mehr Zeit genommen hätte,  hätte ich noch ein Motiv geschafft.

 

Den Umgang damit lernen

Tja, und was ist die Lösung, dieses Gefühl, nie genug zu tun, loszuwerden?

Zumindest ist es für mich NICHT, mich von meinen Social Media Kanälen abzumelden. Dafür finde ich sie wie oben beschrieben einfach zu wichtig als Austausch- und Inspirationsquelle.

Ich versuche mir stattdessen einfach immer wieder bewusst zu machen, dass ich nicht alles schaffen kann und muss. Und selbst wenn ich mal den ganzen Tag in der Sonne liege, ist es auch OK- das macht schließlich auch glücklich.

Und darum geht es im Prinzip ja auch: Was macht mich in der Summe glücklich. Und das sind in der Regel ja mehrere Komponenten, eine Balance aus verschiedenen Dingen.

Ich versuche die Eindrücke in den Social Media Kanälen als das zu nehmen, was sie sind:

Eindrücke, die ich (sehr gerne) wahrnehme und mich inspirieren aber von denen ich mich nicht unter Druck setze.

Ob ich mich unter Druck setze, ist ja eine ganz persönliche Einstellung und Entscheidung, die ich mir natürlich auch immer wieder mal bewusst machen muss.

 

Braunhaarige Frau in pinkem Kleid und rostrotem Mantel weißer Wand

 

Habt ihr dieses Gefühl, nie genug zu tun, auch manchmal?

Ich würde mich sehr freuen, von euren Erfahrungen zu hören. Also, wenn ihr Lust habt, berichtet gerne.

 

Habt einen schönen Sonntag!

 

Eure Jelli

 

8 Comments

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Katrinreply
Februar 11 at 08:02 AM

Das hast du sehr gut zusammengefasst. Schönes Ergebniss am Ende!

cyhtwreply
Februar 12 at 09:02 AM
– In reply to: Katrin

Irgendwie hatte ich das Gefühl, ich muss das nochmal in einem Text zusammenfassen, Kuss

Annareply
Februar 11 at 06:02 PM

Ich finde, dass Du eine schöne Brücke zwischen Social Media und dem Gefühl, nicht genug zu tun, gebaut hast. Sicherlich sind die Vergleichsmöglichkeiten viel krasser, als vor 15 Jahren. Dennoch bestanden sie schon „damals“ – dort war das persönliche Umfeld dann der subjektive Maßstab, an dem man sich nach individueller Neigung mehr oder weniger intensiv gemessen und mit dem man sich verglichen hat. Die heutigen Ursachen für das Gefühl, nicht genug getan zu haben, sind für mich auch darin zu sehen, dass Menschen immer höheren Erwartungshaltungen ausgesetzt sind, um gesellschaftlich geachtet und beruflich sowie privat erfolgreich zu sein. Dieser wachsende Druck führt meiner Meinung nach dazu, die eigenen Anstrengungen anders zu reflektieren, vor allem kritischer und strenger zu hinterfragen. Andererseits kommt in dem von dir beschriebenen Gefühl zum Ausdruck, dass aufgrund der externen Erwartungshaltung auch der individuelle Ehrgeiz stärker wird. So müssen immer mehr, immer größere Ziele verwirklicht werden, um vor der Gesellschaft und vor allem vor sich selbst (!) zu bestehen und sich befriedigt zu fühlen.. Social Media bietet hierfür die perfekte Plattform.
Die Bedenken, Social Media bilde nicht die Realität ab, kann ich nachvollziehen – es wird ein perfektes Bild vermittelt; ein Bild ohne Risse, Ecken und Kanten. Die Mehrheit veröffentlicht keine authentischen, ehrlichen Fotos oder Beiträge, sondern Bilder, die einen positiven, glücklichen Ausschnitt zeigen. Klar, niemand möchte seine dunklen Momente mit der „Weltöffentlichkeit“ teilen, dennoch wird infolge des Postens einer vermeintlich perfekten Welt „festgelegt“, was erwünscht ist, gut ankommt und somit zu einer positiven Reaktion führt.
Und vielleicht hat Social Media gerade deshalb so einen hohen Stellenwert, weil Bestätigung, Anerkennung und Würdigung in virtueller Form erfolgen müssen, um zur (instagram) Gesellschaft zu gehören und sich selbst gut zu fühlen?
Kann sein, dass meine Überlegungen zu weit führen; Dein Beitrag ist auf alle Fälle sehr interessant und hat mich wirklich zum Nachdenken angeregt!

cyhtwreply
Februar 12 at 09:02 AM
– In reply to: Anna

Hallo Anna, danke dir für deinen Beitrag!
Du hast Recht, Vergleichsmöglichkeiten gab es schon immer, wahrscheinlich bedingt und verstärkt es sich einfach immer wieder gegenseitig; die Erwartungshaltung an einen selber, die Vergleichsmöglichkeiten umiteinander und den Druck, den man sich (immer mal wieder) selbst aussetzt.
Wahrscheinlich muss man sich diesse „Spirale“ einfach immer wieder mal bewusst machen und reflektieren, was für einen wirklich zählt.
Auf jeden Fall finde ich es wichtig, sich darüber sowohl in Social Media als auch im analogen Leben auszutauschen und so ein Bewusstsein dafür zu schaffen.
Hab einen schönen Montag!
LG
Jelli

Elinareply
Februar 15 at 11:02 AM

Ach Jelli, du hast so Recht mit dem was du schreibst!
Ich bin da auch immer sehr zwiegespalten. Einerseits finde ich es großartig, so viel Inspirtation zu bekommen, aber anderer Seits empfinde ich dieses ständige Vergleichen von sich selbst mit den anderen als unheimlich ansträngend. In der Welt ohne digitale Medien war es mit Sicherheit bei weitem nicht so intensiv wie es jetzt ist, da hat man sich viellecht mit den 20 Persönchen um sich herum verglichen, aber jetzt sind es tausende. Man sieht die vielen, vielen Posts von den vielen, vielen tausend Menschen gebündelt, daher scheint es, als würden sie sich mit gar nichts anderem beschäftigen als dem, was man da sieht. Und man ist selbst mit seinen paar Gedanken und Beiträgen ist einfach nur ein Tropfen auf den heißen Stein und fühlt sich furchtbar klein, jedenfalls geht es mir ganz oft so.

Gegen den Automatismus des Vergleiches kann ich irgendwie nicht viel tun, außer mich jedes mal daran zu erinnern, damit aufzuhören, wenn ich mich wieder dabei erwische. Dann rufe ich mir immer wieder den Gedanken in den Kopf, das doch einfach jeder anders ist und jeder selbst entscheidet wo er seine Energie investeriert und vorallem jeder aus anderen Aktivitäten seine Energie nimmt. Bei mir ist es eben so, dass ich auftanken kann, wenn ich für mich bin und mich nicht ständig mit anderen austausche und einfach nach dem Vollzeitjob auchmal abschalten kann. Aber während ich das bei anderen vollkommen in Ordnung und kein bisschen verwerflich finde, fällt es mir unheimlich schwer das bei mir selbst hinzunehmen, einfach weil man da draußen so unheimlich viel Extrovertiertheit begegnet das bei mir oft unterschwellig das Gefühl mitschwingt auch so sein zu müssen.

Es geht bei mir im Grunde ganz viel darum, da mit sich selbst genau so verständnissvoll und fürsorglich umzugehen, wie ich es bei anderen tuen würde. Bis man diesen Punkt erreicht hat, wo dieser Gedanke verinnerlicht ist und automatisch abläuft, dauert es leider eine Weile. Da hilft nur am Ball zu bleiben und es wie ein Leierkasten immer und immer wieder zu wiederholen. .

cyhtwreply
Februar 16 at 10:02 AM
– In reply to: Elina

Ach Elina, es ist einfach so gut, darüber zu sprechen bzw. zu schreiben, da ich merke, dass ich nicht die einzige bin, der es so geht.
Mir geht es übrigens auch so, dass ich viele Dinge bei anderen sehr gut finde (z.B. dass mit dem Zeit nehmen für sich selber, alleine sein, nichts tun und das genießen); es mir aber ebenfalls schwer fällt, das bei mir als etwas Positives zu sehen.
Über dieses „Internet-Social-Media-Ich“ und das „Analog-Ich“ gab es neulich auch einen sehr interessanten Bericht von Harling Ross vom Blog manreppeller. (https://www.manrepeller.com/2018/01/social-media-anxiety.html). Der fällt mir gerade zu diesem Thema „introvertiert/extrovertiert“ wieder ein.
Und wie du es sagst, ist es ganz wunderbar beschrieben: Bei diesen Gefühlen/Empfindungen muss man einfach immer wieder ein Bewusstsein für sich schaffen; „am Ball bleiben“ und es „wie ein Leierkasten immer wieder wiederholen“.
:-*

Moritzreply
März 12 at 10:03 AM

Ich denke Social Media verstärkt nur, was sowieso schon da ist mehr ider weniger. Einige kommen mit der ständigen Präsenz und Vergleichbarkeit besser zurecht und lassen sich davon kaum negativ beeinflussen, andere müssen mehr Energie aufbringen, sich nicht von unbewusst gezogenen Vergleichen runterziehen zu lassen. Dann muss man sich öfter bewusst machen, wie viel Selbstzweifel und (vermeintlich) sinnlose Zeit hinter einem geleckten Instagrm Account stecken oder man muss sich selbst einschränken, nicht mehr als eine bestimmte Zeit auf sozialen Kanälen zu verbringen. Sofern man sich dessen immer bewusst sein kann.
Ich schätze die Vorteile von Social Media sehr und frage mich öfter, was es unbewusst mit uns machen kann. Man gewöhnt sich einfach schnell an vieles und ich finde es schon problematisch wenn man ausschliesslich gezeigt bekommt, dass man mindestens für seinen Beruf brennen und sich bis zum Letzten verselbstwirklichen muss, dabei immer lächeln und gut angezogen ist. Ich finde es ist nichts Falsches dran das zu tun, aber in einer offenen Gesellschaft (wie ich sie schön fände) kann das nicht der einzige Weg sein glücklich oder erfolgreich zu werden.

cyhtwreply
März 14 at 10:03 PM
– In reply to: Moritz

Auf jeden Fall zeigt dein Kommentar, dass es sehr wichtig ist, sich sein Verhalten (ob und wie viel man Social Media nutzt) bewusst zu machen.
Zum zweiten Punkt: ja, es scheint alles sehr perfekt auf Social Media aber es gibt zum Glück auch einen Gegentrend; sich ungeschminkt, unperfekt zu zeigen. Finde ich zumindest. 🙂

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